Systemaufbau in der Lackiererei
Ein belastbares Lackierergebnis entsteht selten durch „ein gutes Produkt“, sondern durch einen passenden Aufbau. Diese Seite fasst den Praxisweg zusammen, verbindlich bleiben Technisches Merkblatt (TDS) und Sicherheitsdatenblatt (SDB) des eingesetzten Systems.
1. Vorbehandlung, woran viele Reparaturen scheitern
- Fläche reinigen und entfetten; Silikon, Politurreste und Schleifstaub entfernen.
- Altlack prüfen: Haftung (Gitterschnitt/Abziehtest nach Werkstattstandard), Risse, Elastizität, Rost.
- Nicht tragfähigen Lack entfernen statt „drüber“ zu hoffen.
- Kunststoffe und Alu gesondert betrachten, oft eigene Haftvermittler laut TDS.
- Nachbarflächen und Dichtungen geschützt?
- Entfetter rückstandsfrei, Fläche danach nicht mehr mit bloßer Hand anfassen?
- Kabinenklima im Fenster des Systems?
2. Spachtel, so wenig wie nötig
Spachtel korrigiert Form, ersetzt aber keinen Aufbau. Zu dicke Schichten, unzureichende Aushärtung und fehlendes Anschleifen erzeugen später Markierungen und Haftungsprobleme. Nach dem Spachteln: Kontur halten, Stufen nicht überspringen, erst dann Füller.
3. Grundierung / Füller
Wählen Sie den Füller zum Untergrund und zum Folgeprodukt (z. B. Epoxid, Nass-in-Nass, schleifbarer High-Solid-Füller). Schichtdicke, Verdünnung und Härter stehen im TDS, nicht „nach Gefühl“. Nach dem Schleifen entstauben und erneut reinigen.
4. Basislack
- Deckkraft und Applikation nach Hersteller; Zwischenablüftung einhalten.
- Farbton und Effekt (Metallic/Perle) brauchen oft gleichmäßige Bahnen und Abstand.
- Basislack einer anderen Marke auf fremden Füller nur, wenn freigegeben.
5. Klarlack und Härter
Härter-Typ (kurz/normal/lang), Mischungsverhältnis und Topfzeit gehören zusammen. Verdünnung ebenfalls aus dem System. Angemischtes Material nach Topfzeitende nicht „retten“.
Warum Mischsysteme riskant sind
- Härter und Bindemittel sind chemisch aufeinander ausgelegt.
- Unterschiedliche Elastizität erzeugt Spannungsrisse oft erst Wochen später.
- Hersteller beziehen sich bei Rückfragen auf freigegebene Aufbauten.
Arbeits-Checkliste vor dem ersten Spritzgang
- Produkte, Chargen, TDS/SDB griffbereit und gelesen
- Untergrund tragfähig, plan, sauber
- Härter-Typ zum Klima und zur Bauteilgröße passend
- Düse/Druck laut Empfehlung, Materialmenge realistisch
- Ansatz notiert (Verhältnis, Uhrzeit)
Keine Ersatzangabe für Herstellerdokumente. Materialfragen: 0231 58 69 26 00 (Mo bis Fr 8:30 bis 17:30).